Geschichte des Hofes
Seit 1550 urkundlich. Gefeiert wird hier schon immer.
Der Hof steht im Urbar der Grafschaft Ravensberg von 1550 – damals unter dem Namen Kindermann. Die Deele war Arbeitsraum, Lagerplatz und Festsaal in einem.
Chronik
Aus zwei Siedlungen wurden acht Höfe
Zwischen 600 und 800 n. Chr. entstanden im Westen der heutigen Gemeinde Jöllenbeck zwei Siedlungen – die heutige „Dreeke“. Aus diesen beiden Hofverbänden gingen jeweils vier Bauernhöfe hervor. Einer davon war der Hof Kindermann, der heutige Schulzes Hof.
Im ältesten greifbaren Kataster, dem Urbar der Grafschaft Ravensberg von 1550, ist Heinrich Kindermann bereits als Besitzer verzeichnet. Erhoben wurde das Register, um die königlichen Einkünfte festzustellen: Seit der Einführung des Christentums durch den Frankenkönig Karl verlangten die nachfolgenden Könige über eingesetzte Herzöge und Grafen Abgaben von allen Höfen – für den eigenen Unterhalt und den der Kirchen und Klöster. Die Höhe richtete sich nach der Hofgröße.
Er ist ein Halbspänner und mit Weib und Kindern seinem Landesherrn leibeigen. … Er hat ein Haus, einen Hofplatz und Garten. Hofplatz und Garten sind flächenmäßig so groß, dass man, wenn es Ackerland wäre, es mit 3 Scheffel (180 Pfund) Hafer besäen könnte. Urbar der Grafschaft Ravensberg über den Hof Kindermann, 1550
Kindermann selbst, sein Sohn oder ein Knecht hatte wöchentlich an einem Tag mit zwei Pferden zum Pflugdienst beim Landesherren zu erscheinen. Außerdem musste er, wie andere Bauern auch, einen Mann zum Heuen und Flachsen stellen. Für die Nutzung des Grundes waren jährlich auf dem Sparrenberge abzuliefern:
- Roggen 9 Scheffel · 720 Pfund
- Hafer 18 Scheffel · 1080 Pfund
- Milchkuh 1
- Schlachtschwein 1
- Hühner 6
- Goldgulden 2
Die Flächen wurden in Ackerland, Wiesen und Wald eingeteilt und in den damals geltenden Maßen angegeben, etwa „Auf der Breden (teils gut, teils wenig) 22 Scheffels. 3 Sp. 2 Becher“. Eine Scheffelsaat entsprach 1.702 m² und hielt 4 Spintsaat, eine Spintsaat wiederum 4 Becher.
Um Vieh, Korn und Gulden abgeben zu können, mussten die Bauern ihren Land- und Wiesenbesitz durch Rodung weiterer Waldstücke vergrößern. Zusätzlich wurden sie zur Sicherung des Landes herangezogen: Kriegsdienst, der Bau von Brücken, Landstraßen und Burgen. Weil sie den Schutz des Landesherrn brauchten, aber nicht ständig selbst im Kriegsdienst sein konnten, begaben sie sich gezwungenermaßen in die Leibeigenschaft.
1609 fiel die Grafschaft Ravensberg durch Erbgang an den brandenburgischen Kurfürsten. Kindermann wurde damit leibeigen „seiner kurfürstlichen Durchlaucht“ – und später „königlicher Eigenbehöriger“, als der Kurfürst zum preußischen König avancierte. Im Praestationsregister von 1721 ist der Hof erneut verzeichnet, samt seinen Nachbarn.
Familiengeschichte
Wie aus Kindermann Schulze wurde
Nach dem Eintrag von Heinrich Kindermann im Kataster von 1550 findet sich die nächste Aufzeichnung erst wieder im ältesten kirchlichen Totenregister: Johann Kindermann verstarb am 30. August 1681. Von heute zurück bis in das 16. Jahrhundert lässt sich die Blutlinie der Kindermanns lückenlos verfolgen.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ist der Hof Kindermann in Jöllenbeck urkundlich belegt. In den historischen Verzeichnissen von 1721, 1743 und 1756 wird er als Hof Nr. 4 in Oberjöllenbeck geführt. Im späten 18. Jahrhundert veränderten die Markenteilungen die landwirtschaftlichen Nutzungsverhältnisse in der Region. Auch im 19. Jahrhundert blieb die Hofstelle dokumentiert: Das Urkataster von 1825 und eine topografische Karte von 1837 geben Einblick in ihre damalige Lage und den Grundbesitz. Über die genaue Entwicklung der Besitzerfolge und der Hofgebäude in diesem Zeitraum liegen bislang keine gesicherten Angaben vor.
Nach Tradition und Sitte konnte der Hof nur vom eigenen Sohn oder der eigenen Tochter geerbt werden. Die anderen Geschwister heirateten auf andere Höfe ein oder blieben als „Heuerlinge“ – eine soziale Schicht, die im Mittelalter neu entstand. Eine Heuerstelle bestand aus Haus, Garten und etwas Ackerland; durch Mitarbeit auf dem Hof verdiente der Heuerling seine Heuer, also die Pacht, zusätzlich Korn und Heu. Nur so konnte er seinen Namen behalten.
Der letzte Erbe der Kindermann-Linie, Wilhelm Kindermann, blieb unverheiratet. Er vermachte den Hof Hermann Schulze – dem Sohn seiner ebenfalls auf dem Hof lebenden Schwester Emma, der dort schon lange mitarbeitete. So kam es erstmals in der Geschichte des Hofes und gegen alle Tradition zu einem Namenswechsel: Aus dem seit jeher bekannten Kindermann-Hof wurde Schulzes Hof. Diesen Namen trägt er inzwischen seit zwei Generationen.
Damals
… und so sah es damals aus
Vor gar nicht allzu langer Zeit sah das Gesicht des Hofes noch anders aus. Vieles ging einen Zacken langsamer, und die Arbeit von Hand ohne große Maschinerie vollzog sich anstrengend in stetigem Rhythmus.
In scheinbarem Gegensatz dazu wurden größere Flächen und Felder bewirtschaftet und unzähliges Vieh gehalten: Pferde, Kühe, Hunde, Katzen, Hühner und Gänse. Das Treiben auf dem Hof war bunter und etwas turbulenter als heute.
Der Alltag
Ein typischer Arbeitstag
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4:30 Uhr
Früh morgens ist die Nacht zu Ende.
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5:30 Uhr
Tiere füttern – Kühe, Kälber, Schweine, Pferde – und die Kühe melken. „Werke machen“ nannte man das.
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10:30 Uhr
Das erste Frühstück: Haferflockensuppe und Kaffee. Danach werden die Kinder versorgt und das Essen vorbereitet. Die Männer haben im Frühjahr die Felder bestellt, im Winter das Futter fürs Vieh zubereitet.
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12:00 Uhr
Mittagessen, anschließend bis 13:30 Uhr Mittagsruhe – die Mittagsstunde. Danach Feldarbeit mit den Pferden. Im Winter wurde per Pferdegespann Feuer- und Nutzholz aus dem Wald geholt. Die Frauen erledigten im Sommer die Gartenarbeit und im Winter alles, was liegen geblieben war, etwa Flickarbeiten.
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15:30 Uhr
Kaffee-Zeit, im Sommer draußen auf dem Feld. Danach ging es weiter mit Feld- oder Waldarbeit. Im Winter wurde das Futter vorbereitet: Rüben aus der Miete und Silage holen, Schrot mahlen, Futter mischen, Mist fahren. Die Frauen kümmerten sich um Haushalt und Kinder und halfen an Schlachttagen beim Wursten.
Deele heute
Alte Mauern, in denen gefeiert wird
Der alt-westfälische Bauernhof befindet sich seit jeher in Familienbesitz – worauf Thomas und Bärbel Schulze besonders stolz sind, auch wenn sie nach alter Tradition eigentlich Kindermann heißen müssten. Auch heute wohnen unter diesem Dach mehrere Generationen zusammen, die den Hof mit vereinten Kräften bewirtschaften und erhalten.
Diese Mauern könnten einige aufregende Geschichten vom Leben erzählen und von manch langem Fest berichten. Die alte Deele wurde seit jeher in der Familie zum Feiern und Geselligsein genutzt: für Geburtstage, Hochzeiten und andere Anlässe. Und eines Tages begann sich etwas zu ändern, etwas Neues zu entwickeln.
Heute halten Thomas und Bärbel Schulze den altehrwürdigen Hof aufrecht, bewirtschaften und bewahren ihn. Das ursprüngliche Flair vergangener Zeiten und der Reiz des einfach guten Feierns, wie die Feste fallen, sind vielleicht einige der Gründe, warum sich die Leute immer wieder gerne und mit einem Lächeln an eine Feier auf der Deele zurückerinnern.
Landwirtschaft heute
Die Landwirtschaft heute
Zwischen den Festen wird hier weiter gearbeitet. Die Flächen rund um den Hof werden bewirtschaftet, im Stall stehen unsere Rinder. Genau daraus ist das zweite Standbein entstanden: Fleisch aus eigener Haltung, das wir in Portionen direkt ab Hof abgeben.
Wer bei uns feiert, feiert auf einem Betrieb, der noch läuft – mit allem, was dazugehört. Das ist der Unterschied zu einer Scheune, die nur noch für Veranstaltungen da ist.
Besichtigung
Schauen Sie sich die Deele in Ruhe an
Besichtigungstermine machen wir kostenlos und unverbindlich.